Leseprobe: Kalte Krieger

Zwei hoch betagte Herren nehmen an einem sonnigen Herbsttag auf einer Parkbank der Seniorenresidenz Platz. Bald zeigt sich, dass deren unterschiedliche politische Haltungen und deren ungleicher gesellschaftlicher Status genug Potential birgt, ihre Unterhaltung ein ums andere Mal eskalieren zu lassen.

Kommentar:

Deas Drama schildert lebhaft, wie Manche selbst im betagten Alter nicht Willens sind, lebenslang vertretene Ideologien des lieben Friedens Willen zu relativieren. Keine Einsicht, kein Nachgeben, nicht eine Spur an Bereitschaft, eine Lebenslüge aufzuarbeiten. Mit allen Mitteln wird die eigene Position verteidigt und um deren Anerkennung gerungen. Dabei hätte man sich so schön über das Wetter oder die ansehnlichen Pflegerinnen unterhalten können.

Leseprobe:

Da schnellte Herr Kleinschmidt, so geschwind es seine alten Glieder zuließen, hoch und nahm Herrn von Lützenburg in den Schwitzkasten.

„Soo, und was nützt Ihnen jetzt noch ihre erlauchte Abstammung, hä, was? Jetzt werden wir mal sehen, ob in Ihnen wirklich blaues Blut fließt, ja-haa!“

Herr von Lützenburg nahm seinerseits Herrn Kleinschmidts Hüfte in die Mangel und versuchte, ihn niederzuringen.

„Wenn es mich nicht so ekeln würde, dann würde ich Sie roten Drecksack am liebsten in selbigen beissen. Dann können sie die Internationale nurmehr im dreigestrichenen F singen, Sie bolschewitischer Speichellecker.“

Eine gute Viertelstunde lang gingen sie sich in ihrem alterschwachen Knuffen, Zwicken und Ringen auf, dann sanken sie entkräftet zu Boden und waren keiner Regung mehr fähig.

„Ich werde Sie überleben, bei Gott, das werde ich,“,  schwor sich Herr von Lützenburg schnaufend, „und wenn es das Letzte ist, was ich je tue!“
„Und ich werde, wenn es soweit ist, auf Ihren Grabstein pissen! Mittelstrahl!“ gelobte Herr Kleinschmidt.“

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