Leseprobe: Nelkenwelke

Krabor und Aneta sind ein junges, sich innig liebendes Paar und sie haben sich just  in einer alten Kate ihr Zuhause eingerichtet. Mit einiger Schliche entgeht Krabor der Einberufung zum Kriegsdienst, wird jedoch zum Dienst in entfernten Lazaretten abgestellt. Eines Tages wird Aneta, als sie gerade den Garten bestellt, von einem kauzigen Fremden in einem weiten, schwarzen Gewand besucht. Dieser schenkt ihr eine Handvoll Nelkensamen und lässt Aneta wissen, dass diese etwas ganz Besonderes seien.

Kommentar:

Krabor glaubt sich ohne Fehl und Tadel. Daher trifft es ihn hart, als er von früheren Sünden eingeholt wird. Seine Buße kostet ihn weder Leib, noch Freiheit, Vermögen oder das Leben. Doch soll die Strafe derer, die sich wider die Natur gewandt haben, ungleich bitterer sein.

Leseprobe:

Aneta brachte kein Sterbenswörtchen heraus.
„Wenn du nicht sprechen möchtest, dann will ich dich nicht quälen. Aber ich möchte, dass du mir dein Gesicht zeigst.“ forderte Krabor sie auf.

Aneta hob langsam ihre Arme an und fasste die Kanten ihrer Kapuze. Im Nu erfasste Krabor das Grausen. Ihre Arme waren dünn und knochig wie die Läufe eines Rehs geworden. Als sie die Kapuze nach hinten zog, war Krabors Gesicht bleich wie Gebein. Ihr einst so blühendes Antlitz trug nunmehr die kantigen Gesichtszüge ihres Ablebens in sich. Lose hing die nunmehr rissige, grau-fahle Haut herunter, gerade so, als verwelke sie.

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