Leseprobe: Spurensuche

An einem jeden Tag, stets gegen Abend, verlässt ein großgewachsener Mann mittleren Alters seine Hütte am Meer und stellt sich auf einer der Felsenzungen der stürmischen Brandung entgegen. Jeden Tag sieht er so die Sonne schwinden und erwartet die Nacht, gleichwohl er weiß, dass sie ihm alles abverlangen wird. Dann würde er wie immer den Sternenhimmel absuchen. Nach jenem Etwas, das er nie hätte verlieren dürfen.

Kommentar:

Von Aussen besehen wird sich in dieser Geschichte nichts weiter zutragen, als dass ein Mann am Rande der Brandung steht. Doch der Titel dieser Geschichte ist Programm: Denn so wie jener Suchende den Himmel beschaut, so wird der Leser nach Spuren Ausschau halten, welche die unglückliche Sehnsucht des Protagonisten erklären mögen. Finden aber wird er sie nicht mit dem Verstand alleine.

Leseprobe:

Vor Zeiten, an die heute nichts mehr erinnerte, war er zerfahren, labil und unbeständig gewesen. Sein Wesen diffundierte permanent in alle möglichen, verwerflichen Zustände hinein. Kein fester Punkt ließ sich derzeit finden. So verlief sich sein Lebensweg in verschiedenste, unwägbare Richtungen und die daraus erfolgenden Miseren drohte ihm mit der Vergängnis.

Doch gerade als es schien, als sollte sein ungutes Schicksal über ihn obsiegen, setzte er in seinem Inneren ein brachiales Höllenfeuer in Gang, in das er alles hineinwarf, was er war und was ihn ausmachte. So immens heiß und wild brannte es daraufhin, dass es ihn beinahe in Stücke gerrissen hätte und er in das ewige Nichts eingegangen wäre.

Doch letztlich entstieg er der katharsischen Schmiede als vollendete Ganzheit, als Stern, dessen Licht und dessen Wärme seine Finsternis besiegte.

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